Zwischen Reben, Rastplätzchen und richtig gutem Wein
Wer noch keine Pläne für Pfingsten hat: Eine Riedenwanderung ist definitiv die beste Verbindung aus Outdoor-Spaß und day drinking, die man sich vorstellen kann. Ihr seid nicht überzeugt? Keine Sorge, ich habe es für euch ausgetestet.
Das Weingut Pferschy-Seper in Mödling weiß, wie man seine Gäste auf den Wein-Wandertag so richtig einstimmt. Kaum am Weingut angekommen, drückt mir die Winzerin Anna ein Weinglas in die Hand. Ein bisschen skeptisch bin ich schon, denn der Weinwandertag beginnt um 9 Uhr – eine Uhrzeit, die ich an einem Samstag sonst eher unter der Bettdecke begrüße. Annas Schwester Leni beruhigt mich und erklärt, was ich im Glas habe: einen Traubensaft vom Gelben Muskateller. Er ist süß, aber trotzdem richtig frisch und perfekt, um in die Mood für den Wandertag zu kommen.
Noch ein paar Streicheleinheiten für die Weingutskatze, dann geht’s raus in die Rieden der Thermenregion. „Riede“ klingt zwar zuerst ein bisschen nach Weinvokabel fürs nächste Pub Quiz, meint aber einfach einzelne Weinlagen – also genau die Orte, aus denen später die Trauben für bestimmte Weine kommen.
Und genau dort versteht man plötzlich, warum Winzer*innen ständig über Böden, Sonne und Temperaturunterschiede reden. Zwischen Schneebergblick, alten Rebstöcken und sanften Hügeln wird Wein auf einmal ziemlich greifbar. Besonders schön: Niemand versucht hier, Wein unnötig kompliziert zu machen. Stattdessen darf gefragt, probiert und auch einfach nur geschaut werden.
Anna und Leni sind das perfekte Duo, um Infos über die Geschichte ihres Weinguts zu droppen. Das Familienweingut wird seit über 300 Jahren geführt und ist mittlerweile bereits in fünfter Generation in fester Frauenhand – mit Bio-Weinbau, neuen Ideen und erstaunlich sympathischen Einblicken hinter die Kulissen. Statt geschniegelt-präsentierter Weinromantik erzählt Anna echte Geschichten aus dem Weingartenalltag: von der Weinlese, dem Rebschnitt und warum biologischer Weinbau manchmal ziemlich viel Geduld braucht. Als Pionier*innen des biologischen Weinbaus arbeitet die Familie nämlich schon seit fast 30 Jahren biologisch – und zwar lange bevor Bio überall auf Speisekarten gedruckt wurde.
Die Thermenregion, das Weinbaugebiet, in dem Anna und Leni ihre Weingärten besitzen, gehört zu den ältesten Weinbaugebieten Österreichs – schon die Römer haben hier Wein angebaut. Heute verbindet die Gegend südlich von Wien traditionelle Rebsorten mit einer überraschend jungen, relaxten Weinkultur.
Besonders bekannt ist das Gebiet für Sorten wie Rotgipfler und Zierfandler, die fast nur hier wachsen. Dazu kommt z.B. Weißburgunder, der in dem Gebiet ebenfalls hervorragend funktioniert und mit seinem unkomplizierten Charakter fast immer eine gute Idee ist. Du magst Rotwein? Dann probier' einen Pinot Noir oder einen St. Laurent.
Mittlerweile sind wir auf der Wanderung ein paar Glaserln tief angelangt und erreichen eins der Highlights: In einer kleinen Hütte mitten zwischen den Reben, haben Anna, Leni und ihr Papa ein Buffet an Heurigenschmankerl aufgebaut. Die frische Luft und der gute Wein haben mich hungrig gemacht: Aufstriche, Gemüse und Käse sind schnell gegessen. Zum Trinken gibt’s eine bubbly „Winzerinnen Limo“ – ein echter Geheimtipp. Während es sich alle in den Liegenstühlen bequem machen, spielt uns der Winzer auf der Ziehharmonika was vor – und plötzlich fühlt sich alles nach Urlaub an.
Zurück am Weingut gibt es noch die Gelegenheit ein bisschen zu quatschen und sich Weine für zuhause auszusuchen. So nehme ich mir ein Stückerl vom Weingarten zurück in meine Wohnung mit und freue mich, den Weinwandertag erlebt zu haben. Ich fahre nämlich nicht nur mit ein paar neuen Lieblingsweinen nach Hause, sondern auch mit dem Gefühl, gesehen zu haben, wie viel hinter einer Flasche eigentlich steckt – inklusive Sonne, Erde, Familiengeschichte und vermutlich ein bisschen Rückenschmerzen während der Weinlese.
Falls Wanderschuhe nicht ganz euer Ding sind: Das Weingut Pferschy-Seper veranstaltet im Sommer auch ein „Sunset Tasting“ – inklusive Aussicht, Abendstimmung und ziemlich guten Voraussetzungen dafür, viel länger zu bleiben als ursprünglich geplant. Genau die Art von Sommerabend, bei der man sich irgendwann fragt, warum man nicht viel öfter mitten im Weingarten sitzt.
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