Die Sonne steht noch tief, aber die Motivation ist hoch als wir uns Ende August auf den Weg nach Sooß südlich von Wien machen. Wir sind auf dem Weg zum Weingut Hecher, genauer gesagt zu Michi. Er zeigt uns heute, wie das mit dem Wein machen funktioniert. Trauben ausquetschen, rein ins Weinfass, warten und dann wird’s Wein? Es stecken noch so viele weitere Handgriffe dahinter, die wir gar nicht vermutet hätten. Lasst euch überraschen!
Michi wartet schon vor dem großen gelben Haus, in dem seine Familie seit 1765 Wein macht. Nach der herzlichen Begrüßung geht’s gleich rein in Michis Auto und raus aus dem Ort. Denn der erste Schritt des Weinmachens erfolgt nicht am Weingut.
Wenn Michi ans Lesen denkt, scrollt er nicht durch BookTok, sondern ist in seinen Weingärten unterwegs. „Ich bin lese-ready!“, grinst er. Jetzt im Spätsommer ist es Zeit, die Trauben zu lesen, also zu ernten. Michi drückt uns eine spitze Schere in die Hand, während wir noch nicht mal richtig packen, wie schön es hier ist! Hinter Michis Weingärten steigt die Landschaft sanft an bis zu waldbedeckten Hügelkuppen. Und das alles unter blitzblauem Himmel. Jetzt ein Liegestuhl und ein Sommerspritzer …
Äh, wo waren wir? Ach ja, bei der Schere. „Meine Schere quietscht schon, das ist ein gutes Zeichen“, lacht Michi. Mit der Schere werden die Trauben vom Stock geschnitten und rein damit in den Kübel. Ist ja gar nicht mal so schwer. Ein bisschen „Qualitätskontrolle“ zwischendurch darf auch sein. Wenn mal eine Beere nicht so schön aussieht, wird sie mit der Spitze der Schere sauber aus der Traube rausgeschnitten.
Haben wir vor einer halben Stunde gesagt: „Ist gar nicht so schwer?“ Jetzt picken unsere Hände, der Rücken geht crash out und die Weingartenschere sieht nicht nur spitz aus … Zum Glück sind wir heute nur Herumprobieren da und können aufhören.
Michi macht sich auch das Leben leichter (zumindest teilweise): Der Großteil seiner Weingärten wird mit der Lesemaschine gelesen. Warum? „Man kann unter anderem zu den frühen, kühlen Morgenstunden fahren“, das sei wichtig, damit die Trauben nicht zu warm im Weingut ankommen. „Outdoor-Kühlung“ nennt Michi das. Das ist wichtig für die weitere Verarbeitung. Auch braucht es weniger Personal und es geht einfach schneller. Alles hat Vor- und Nachteile und jedes Weingut verfolgt bei der Lese seine eigene Philosophie.
Egal wie die Trauben gelesen werden, Michi schaut drauf, dass sie perfekt reif und möglichst schnell zum Weingut kommen. Also setzen wir uns wieder zu Michi ins Auto und fahren nach Sooß zurück.
Wie es weitergeht? Check out part 2!